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Auf dem Roten Sattel mit...


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01.02.2017

Franz-Martin Stankus

Seit 10 Jahren schreibt Franz-Martin Stankus für das horseWOman Ausbildungsberichte. Diesmal sitzt er auf unserem roten Sattel und lässt uns auch den Mann hinter dem Trainer und Ausbilder sehen. Mit seiner Frau Miriam betreibt der leidenschaftliche Dressurreiter in Ostholstein das Reitinstitut Stankus. Viele Jahre war der 72jährige Bundestrainer der Paradressurreiter und trainiert heute noch die Paradressurreiter sowie auch Regelsportler in der Schweiz.

Was war Ihr wichtigstes Erlebnis in Ihrer Trainerkarriere?

Die Paralympischen Spiele 2004 in Athen und 2008 in Hongkong waren die wichtigsten Ereignisse in meiner Ausbilderkarriere. Steffen Zeibig, den ich schon seit 15 Jahren durchgängig trainiere, wurde 2016 im Sommer Deutscher Meister. Daraufhin wurde er nach Rio eingeladen, wo er als Mannschaftsreiter in der Dressur für Deutschland die Silbermedaille holte. Zusätzlich gewann er als einziger deutscher Reiter in der Einzelwertung die Bronzemedaille. Ich bin unglaublich stolz auf ihn. Die Turnierreiterei ist für mich nie so im Vordergrund gewesen, weil es ja mein Beruf ist. Deshalb war die Vorbereitung meiner Reiter auf die Paralympischen Spiele und die Teilnahme dort meine große Leidenschaft.

Erinnern Sie sich an Ihr erstes Pferd?

Mein erstes eigenes Pferd war ein Rheinländer, er hieß Dompteur. Ich erwarb ihn von einer Versicherung, da ich als junger Mann nur wenig Geld zur Verfügung hatte. Er war ein 18 jähriger Rappe mit einem furchtbar dicken und großen Hals. Dieses Pferd war von der FN für Springturniere gesperrt, weil er mehrmals über die Tribühne und Zuschauer gesprungen war. Er galt als nicht händelbar. Ich habe ihn zum Dressurpferd „umgemodelt“ und als er 20jährig war ritten wir seine erste S Dressur. Das war schon ein tolles Erlebnis. Ich habe ihn danach nach Amerika verkauft und er kam 5 Jahre später nach Österreich zurück. Dompteur ist sehr alt geworden. Er war ein harter Brocken, aber auch ein ganz tolles Pferd. Er hat damals den Grundstein meiner Philosophie gelegt:

Zum Lernen ist ein Pferd nie zu alt. Es ist alles eine Frage der Einstellung und des Trainings.

Was ist Ihnen das Wichtigste bei einem Pferd? Worauf legen Sie am meisten Wert?

Das Exterieur eines Pferdes ist natürlich schon ausschlaggebend für die weitere Entwicklung des Pferdes, was die Begabung für Schritt, Trab und Galopp angeht. Ein Pferd mit einem schlechten Exterieur hat meistens Mängel in der Ausführung, die man dann zwar mit einer ganz speziellen Ausbildung auch beseitigen kann. Man hat es natürlich mit einem korrekten Exterieur wesentlich leichter. Wenn dann noch die Leistungsbereitschaft und die Arbeitsfreude stimmt, dann hat man ein passendes Pferd.

Was fasziniert Sie am meisten bei der Reiterei?

Am meistens beeindruckt mich immer wieder, gerade als Ausbilder, dass die Pferde lernen auf die Gedanken des Reiters zu reagieren. Das ist etwas, worüber sich viele Reiter gar keine Gedanken machen. Manchen meiner Schüler kann ich genau sagen, an welcher Stelle sie gerade etwas gedacht haben, weil ich es an der Reak-tion des Pferdes merke. Jemand denkt, „da galoppiere ich gleich mal an“ und schon verändert sich das Pferd. Das merke ich auch bei meiner eigenen Reiterei. Ich bin immer mehr in der Lage, meine Pferde meinen Gedan-ken zu dirigieren, zu steuern und ganz bewußt mit kaum erkennbaren oder spürbaren Hilfen zu reiten. Jetzt sind wir schon mitten in meiner Ausbildungsphilosophie. Wir versuchen immer mehr Feinheiten anzubringen, das kann man sogar medizinisch erklären: Wenn man lacht, dann ist das Gesäß locker. Wenn man nicht lachen kann, dann ist das Gesäß verspannt. Wir reiten unsere Pferde über das Gesäß mit sehr viel Einwirkung, deshalb müssen wir sehr genau drüber nachdenken was wir tun. Das ist es auch, was ich meinen Schüler immer wieder sage. Es geht nicht darum Aufgaben zu trainieren und immer wieder Kringel zu reiten. Und noch eine Volte und noch eine Volte, dann wird die 25. Volte schon irgend-wann rund. Das ist Problem liegt in einer ganz anderen Art der Arbeit. Es ist die Einstellung zum Pferd, die Grundlage zu verändern. Nicht einfach mit dem einen Weg aufhören, sondern so lange kontiunierlich an diesem Weg arbeiten, bis man merkt, dass das Pferd es verstanden hat. Wenn wir in der Ausbildung die Dinge durchnehmen, die ein Pferd lernen soll, dann kommen wir auf ein riesen Po-tenzial an Lektionen, an Einwirkung, an Übungen und das alles versuchen wir Reiter dem Pferd viel zu schnell und alles auf einmal beizubringen. Dabei vergessen wir, dass die Pferde es gar nicht verstehen können. Wer sich für diesen Weg interessiert, kann sich gerne bei mir informieren. Ich gebe bundesweit Reitunterricht, Seminare. Ich habe auch Schüler in Österreich und der Schweiz.

Hatten Sie reiterliche Vorbilder?

Natülich Fritz Tiedemann, bei ihm habe ich in der Reit- und Fahrschule Elmshorn gelernt. Er war zwar nicht der Lehrmeister für mich, aber eine große Persönlichkeit hier in der Nähe. Wir kommten ihm zuschauen, mit ihm arbei-ten und von ihm lernen. Das war schon ein bedeutender Mann. Und natürlich Herbert Rehbein, mit dem ich viele lange Jahre bis zu seinem Tod befreundet war. Bei Egon von Neindorff in seinem Reitinstitut in Karlsruhe habe ich sehr viel gelernt. Und nicht zu vergessen: Herr Stecken, er ist vor kurzem mit über 100 Jahren verstorben. Er hat mich auch sehr geprägt. Bei Herrn Stecken war ich 6 Wochen zu meiner Reitlehrerprüfung. Das sind alles Leute, die mich sehr beeinflusst haben.

Gibt es für Sie Alternativen zum Pferd, z. B. ein Hobby?

Meine Frau, sie ist aber nicht mein Hobby, sondern meine Leidenschaft. Als Hobby habe ich meine handwerklichen Fähigkeiten. Mein Vater wollte immer, dass ich das Hand-werk zu meinem Beruf mache. Ich habe mich aber zum Glück durchgesetzt. Ich sah meine Zukunft in der Reiterei.

Können Sie sich vorstellen, was aus Ihnen ohne die Pferde geworden wäre?

Sicherlich wäre ich irgendein Handwerker geworden. Ursprünglich wollte ich nicht Reitlehrer, sondern Dompteur werden. Als Kind hatte ich schon alle möglichen Tiere, die ich dressiert habe. Meine Elster und Krähe sind in die Nachbarschaft geflogen und haben für mich geklaut.Das war ein riesen Spaß. Wir hatten Hunde, Papageien und sogar einen Affen, die mussten alle herhalten und Kunststücke lernen. Da wurde meine Leidenschaft zum Dompteursberuf geweckt. Zur damaligen Zeit hätte man nur die Chance gehabt als Tierpfleger in einem Zirkuszu arbeiten und sich dann mühselig zum Dompteur hoch zuarbeiten. Das war aber meistens aussichtslos, da diese Posten innerhalb der Zirkusfamilien vergeben wurden.Letztendlich bin heute viel mehr Dompteur, als ich es in einem Zirkus sein könnte. Ich habe es jetzt mit Pferden und Menschen zu tun.

Wie machen Sie am liebsten Urlaub?

Am liebsten würde ich Urlaub machen, was aber nicht geht, weil wir zuviel im Betrieb zu tun haben. Ich arbeite viel und gerne. Aber wenn Urlaub, dann würde ich gerne in den Süden fahren, in die Sonne und faulenzen. Das kriege ich aber wahrschienlich gar nicht hin. Ich würde bestimmt den ganzen Strand ablaufen, weil ich viel zu un-ruhig zum herumliegen bin. Aber vielleicht ändert sich das ja, wenn ich älter werde und ich komme in den Genuß, die Ruhe zu genießen.

Ihr Lieblingsessen?

Selbstgemachter Kartoffelpürre nach meinem ganz speziellen Rezept.

Ihr Lieblingslokal?

Der Grieche „Delphi“ in Grömitz.

Ihre Lieblingsveranstaltung?

Ich würde gerne in Konzerte gehen und ins Theater. Das musste ich leider immer wieder streichen, weil wir nie Zeit dafür haben. Vielleicht klappt es ja, wenn ich in Rente bin.

Gibt es etwas, was Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben möchten?

Es belastet mich, dass viele Reiter nicht richtig informiert werden. Das heutzutage die Grundlagen der Reiterei nicht mehr weitergegeben werden. Es haben sich viele Dinge einfach verselbstständigt, das ist sehr schade. Deshalb komme ich auch immer wieder auf meine Ausbildungs-philosophie zu sprechen, weil ich mir im Laufe meines Lebens immer wieder Gedanken über meine eigene Reiterei und das Reiten anderer Menschen gemacht habe. Mein ganzes Bestreben ist immer wieder, dem Reiter behilflichzu sein, so gut wie möglich Erfolg zu haben. Den Erfolg können wir nicht erzwingen, den können wir nur erreiten.



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