Herzlich Willkommen bei dem horseWOman-Magazin

Das Veranstaltungsmagazin für Pferdeliebhaber - It's all about the horses

Berichte Medizin und Recht

Berichte


Zurück zur Übersicht

06.11.2014

Keine OP bei Kolik: 30.000 € für eingeschläfertes Pferd?

Rechtsanwältin Dr. Christine Conrad.

30.000 € Schadenersatz für ein aufgrund einer Kolik euthanasiertes Pferd,
das nicht operiert werden durfte.

Was war passiert?

Jeder Pferdeeigentümer, weiß dass Koliken unberechenbar und gefürchtet sind. Häufig hilft die tierärztliche Vor-Ort Behandlung nicht und die Pferde werden in die Klinik gebracht. Eine Operation ist meist die letzte Lösung. Die Entscheidung ist für Pferdeeigentümer nicht einfach, häufig spielen finanzielle Gründe eine Rolle. Wird die OP verweigert, stehen die Überlebenschancen schlecht. So war es auch zumindest in dem Fall, den das Landgericht Gießen und in der 2. Instanz das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt a. M. zu entscheiden hatten: Nachdem weitere schmerzstillende Maßnahmen bei der Warmblutstute des späteren Klägers keinen Erfolg zeigten und ein Darmverschluss diagnostiziert war, schlug der Kliniktierarzt dem Kläger eine Operation vor, andernfalls müsse aus Tierschutzgründen eine Euthanasie vorgenommen werden. OP aber auch die Einschläferung lehnte der Kläger ab, wobei streitig ist, ob er der Euthanasie später zustimmte. Daraufhin wurden die Daten des Klägers und des Pferdes aufgenommen. In diesem Zusammenhang bat der Kläger auch darum, Pass und Halfter des Pferdes an ihn zu übersenden. Er begab sich sodann nach Hause. Das Pferd wurde derweil in der Klinik getötet.

Am späteren Nachmittag des Tages rief die Ehefrau des Klägers in der Klink an und wurde über die Tötung informiert. Daraufhin hat der Kläger behauptet, er habe die behandelnden Ärzte angewiesen, die Stute zu untersuchen und sodann zu behandeln. Dass eine Untersuchung misslungen sei, liege an fehlender Kompetenz der Klinikmitarbeiter nicht an der Wildheit und der Schmerzsymptomatik des Pferdes. Einer Tötung habe er niemals zugestimmt noch sonst signalisiert, hiermit einverstanden zu sein. Die Klinik behauptete, der Kläger habe mündlich in einem Vier-Augen-Gespräch eingewilligt, die Stute einzuschläfern. Dies sei auch nicht umgehbar gewesen, da eine höchstgradige, nicht beherrschbare Schmerzsymptomatik vorgelegen habe, die auch den Kreislauf des Pferdes belastet habe. Beide Gerichte haben festgestellt, dass der Klinik keine Pflichtverletzung im Rahmen der Behandlung vorzuwerfen sei, weder wegen einer unterlassenen nicht-operativen Behandlung noch wegen der Tötung des Pferdes. Zum einen hätte die Klinik konservativ behandelt und so nur feststellen können, dass diese Behandlung keinen Erfolg bringen würde, sondern nur eine OP. Dies war auch laut dem gerichtlichen Sachverständigen nicht zu beanstanden, zumal ein Erfolg in Form einer Heilung bei einer tierärztlichen Behandlung nicht geschuldet ist. Hiervon war der Kläger rechtsirrig ausgegangen. Seine Zweifel an der Dokumentation und den Diagnosen konnte er nicht beweisen. Auch die Tötung des Pferdes sei nicht zu beanstanden, so die Richter. Einerseits stand die Einwilligung des Klägers im Raum, die er zwar später bestritten hat. Die Richter haben jedoch geurteilt, dass die Frage, ob die Tötung durch Einwilligung oder aus Tierschutzgründen gerechtfertigt gewesen sei, nicht entschieden werden musste, weil dem Kläger gar kein Schaden entstanden ist.

Der Kläger hat dargelegt, seine Stute sei als erfolgversprechende Staatsprämienanwärterin 30.000 € wert gewesen. Hierbei hat er jedoch unberücksichtigt gelassen, dass die Stute unstreitig mit einer schweren Kolik in die Klinik gebracht wurde. Gem. § 3 Tierschutzgesetz hat ein solches Tier keinen materiellen Wert mehr, da es mit der schweren Erkrankung aufgrund der gesetzlichen Vorschrift nicht mehr handelbar ist. Der Kläger hatte auf den Zustand vor der Erkrankung abgestellt, entscheidend war jedoch der Zeitpunkt der Beginn der Behandlung der Klinik.

Schließlich hat das OLG noch darauf hingewiesen, dass der Kläger den Widerspruch nicht aufklären konnte, einerseits jede mögliche Behandlung für sein Pferd gewollt zu haben, andererseits die Klinik mit der Bitte verlassen zu haben, man möge ihm dann die Papiere des Pferdes schicken. In der Gesamtschau sei somit von einer Einwilligung des Klägers zur Euthanasie auszugehen.

Lesen Sie den ganzen Bericht.

 Bericht hier zum Download PDF


Zurück zur Übersicht