Herzlich Willkommen bei dem horseWOman-Magazin

Das Veranstaltungsmagazin für Pferdeliebhaber - It's all about the horses

Berichte Medizin und Recht

Berichte


Zurück zur Übersicht

20.05.2015

Rechtsanwältin Dr. Christine Conrad. Pferd von der Stange?

Seit 2002 gelten für Pferdekäufe dieselben Rechtsvorschriften wie z. B. beim Kauf eines Pkws. Die Gerichte haben sich vielfach mit Pferdkäufen beschäftigt, für die jetzt wie beim Autokauf eine zweijährige Gewährleistungsfrist gilt.

Eine Streitfrage war stets, ob ein Pferdekäufer ein Ersatzpferd annehmen muss, wenn das ursprünglich gekaufte Tier einen Mangel wie etwa eine Lahmheit hat oder ob es gleich an den Verkäufer zurückgegeben werden kann.

So ist es beim Kauf eines Pkws, der dann einen Defekt hat:
Der Käufer muss eine Ersatz-Pkw gleicher Art und Güte akzeptieren. Er kann nicht gleich den Kauf rückabwickeln und das Auto endgültig zurückgeben, auch wenn er es eigentlich gar nicht mehr haben möchte.

Gilt das auch beim Pferdekauf?
Gibt es das Pferd von der Stange überhaupt?
Was war passiert?

Die Kläger erwarben für ihre Tochter eine fünfjährige Holsteiner Stute für den Springsport. Der Pferdehändler erhielt 15.500 €. Vor dem Kauf hatte die Tochter der Kläger die Stute probegeritten, wobei ein Proberitt daran scheiterte, dass das Tier auf dem rechten Vorderbein lahmte. Zum Zeitpunkt eines weiteren Proberitts, und auch bei Kauf/Übergabe lahmte die Stute hingegen nicht. Einige Wochen nach Übergabe trat wiederum Lahmheit an dem vorderen rechten Bein ein.

Die Kläger ließen das Pferd tierärztlich behandeln, wodurch die Lahmheit aber nicht nachhaltig beseitigt werden konnte, vielmehr trat diese Anfang November 2009 wieder auf. Die Kläger erklärten daraufhin den Rücktritt vom Kaufvertrag. Der Beklagte bestritt den Mangel und meinte, jedenfalls hätte ihm Gelegenheit zur Nacherfüllung gegeben werden müssen, da er vergleichbare Tiere zur Verfügung gehabt hätte.

Eine Nachlieferung in Form der sog. Ersatzlieferung ist zwar auch bei Tieren nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Voraussetzung ist aber, dass die Kaufsache durch eine gleichartige und gleichwertige ersetzt werden kann, so das Oberlandesgericht (OLG) Schleswig.

Bei gebrauchten Kraftfahrzeugen soll eine Ersatzlieferung schon dann ausscheiden, wenn dem Kaufentschluss eine persönliche Besichtigung des Kraftfahrzeuges vorausgegangen ist. Dann hat der Verkäufer nur die Möglichkeit der Nachbesserung, d. h. der Reparatur.

Diesen Grundsatz haben die Richter auf den Pferdekauf übertragen, so dass die Käufer eine Ersatzlieferung nicht hätte fordern müssen, weil die Kläger das Pferd nach mehreren Besichtigungen und jedenfalls einem Proberitt durch ihre Tochter ausgesucht und als Springpferd erworben hatten.

Es hat sich dabei um eine individuelle Entscheidung der Kläger aufgrund des persönlichen Eindrucks von dem Tier, das sie als für ihre Tochter geeignet angesehen haben, gehandelt. Ein solches Tier, das nicht gleichsam „von der Stange“ oder ohne nähere Besichtigung und Prüfung gekauft worden ist, ist nicht beliebig ersetzbar, selbst wenn man unterstellt, dass der Beklagte ein Springpferd im Wert von „C“ hätte liefern können.

Fazit ist somit, wer ein Pferd nicht vorab besichtigt oder probereitet, muss bei einem Mangel den Verkäufer immer zur Ersatzlieferung auffordern und ein Ersatzpferd auch akzeptieren. Versäumt er dies, schneidet er sich die Möglichkeit der Rückgabe des kranken Pferdes komplett ab. Eine „Reparatur“ schied in unserem Fall aus, da die Erkrankung des Pferdes nicht heilbar war.



Zurück zur Übersicht