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03.03.2016

Franz-Martin Stankus: Richtig analysieren - um erfolgreich zu korrigieren

Was in der Ausbildung des Pferdes von größter Wichtigkeit ist, sind Dinge wie Leistungsbereitschaft, Arbeitsfreude, das Erkennen von körperlichen Mängeln, Bewegungsmechanik, Temperament, Vertrauen zum Menschen, Vertrauen zum Reiter. Alles Erkenntnisse, die in der Ausbildung eines Pferdes zu wenig beachtet werden. Die Ausbildung eines Pferdes ist über die Reitlehre natürlich ganz genau beschrieben, aber sie ist nicht wirklich geschrieben für Pferde, die ihre Probleme haben.

Und ich muss ehrlich sagen, dass ich im Laufe meiner Zeit als Ausbilder selten ein Pferd oder ein Reiter erlebt habe der keine Probleme hatte. Z. B. mit sich, mit der Bewegung, mit dem Pferd oder mit dem Reiten können. All diese Dinge spielen natürlich eine große Rolle, sie werden sehr leicht vernachlässigt und unter den Teppich gekehrt, wenn es um die Reitlehre geht.
In der Reitlehre kann man alles nachlesen und kein Mensch wagt es auch nur im entferntesten Sinne, die Reitlehre anzugreifen. Nur was ich meine ist, dass wir den Weg dorthin etwas besser, deutlicher machen müssen. Wir müssen deutlicher mit den Reitern sprechen. Da sind die Ausbilder gefordert und gefragt. Komischerweise habe ich noch kein Ausbilder kennengelernt, der mir gegenüber behauptet, dass er etwas nicht weiß. Das ist eigendlich bedenklich, denn ich habe in meiner beruflichen Laufbahn häufig eingestehen müssen, dass ich vieles nicht wußte.
Wir müssen lernen zu analysieren, über die Zusammenhänge zwischen körperlichen Schwierigkeiten und was sich daraus falsch entwickelt hat. In diesem Bereich gibt es unzählige Beispiele; aber es ginge sicherlich zu weit, wenn ich sie alle hier niederschreiben würde. Trotzdem möchte ich eines hier aufführen:
In meinem Unterricht in der Schweiz kam bei dem letzten Lehrgang eine neue Reiterin mit ihrem Pferd zu mir. Sie erzählte mir, dass sie seit über 5 Jahren versucht, ihrem 11jährigen Pferd den fliegenden Wechsel beizubringen. Der fliegende Wechsel nach links klappte eigentlich sehr gut, nur den nach rechts war das Pferd nicht in der Lage zu springen.
Nach dem ersten Unterricht kam vieles zu Tage, wie und unter welchen Bedingungen dieses Pferd den Wechsel lernen sollte.

In ihrer Verzweiflung hatte sie ihr Pferd an viele renomierte Ausbilder gegeben mit dem Erfolg, dass ausnahmslos alle Profis festgestellt haben, dieses Pferd kann den Wechsel nicht lernen. Eine Begründung gab es nicht.
Zu Beginn meines Unterrichts und nach der Lösungsarbeit solllte die Reiterin das Pferd angaloppieren und mit den fliegenden Wechseln beginnen. Aufgrund meiner Analyse habe ich erkannt, dass das Pferd im links Galopp sehr ausdrucksstark und gut unter den Schwerpunkt springen konnte. Nach rechts jedoch einen sehr knappen Durchsprung hatte, dass lag an einer mangelhaften Biegung.
Es macht keinen Sinn den Wechsel nach rechts springen zu lassen ohne die Biegung und damit den rechts Galopp zu verbessern. Da dieses Pferd im Laufe der Jahre eine große Perfektion im Nachspringen entwickelte, mußte ich mir natürlich auch einige spezielle Vorraussetzungen für ihn einfallen lassen, um ans Ziel zu kommen.
So ist z.B. das Reiten einer Schrittpirouette nach rechts eine gute Vorraussetzung, um daraus nur das Angaloppieren zu erarbeiten.
Danach wieder durchparieren zum Schritt aber in der Pirouette nach Möglichkeit bleiben und daraus erneut den Galopp zu entwickeln. Das wiederholt sich immer und immer wieder. Durch diesen ersten Galoppsprung aus der Schrittpirouette lernt das Pferd immer deutlicher unter den Schwerpunkt zu kommen. Das wäre natürlich die beste Vorraussetzung, dem Pferd einen ausdruckstärkeren Rechtsgalopp zu ermöglichen. Durch den verbesserten Rechtsgalopp hatte dieses Pferd auch deutlich erkennbar eine bessere Vorraussetzung, sich in der Qualität dem Linksgalopp anzupassen.
Am zweiten Lehrgangstag hatten wir nach einer kurzen Lösungsarbeit ausschließlich mit der rechts Schrittpirouette und daraus angaloppieren angefangen. Nach ein paar Versuchen hatte das Pferd keinerlei Schwierigkeiten mehr, den Rechtsgalopp mit einem gutem Durchsprung zu finden. Der nächste Schritt war dann der fliegende Wechsel nach rechts. Wir sind angaloppiert auf der groß angelegten Zirkellinie im Außengalopp. Unmittelbar nach dem Angaloppieren haben wir den Wechsel eingeleitet zur geschlossenen Seite nach rechts, mit einer kleinen Unterstützung durch die Gerte im richtigen Moment.
Wir hatten in den vier Tagen Lehrgangstätigkeit so intensiv gearbeitet, dass die Reiterin in der Lage war, ihr Pferd vier fliegende Wechsel nach rechts sauber durchzuspringen zu lassen.
Aufgrund meiner Analyse bezüglich der Schwierigkeiten in der Biegung haben wir es gemeinsam geschafft den fliegenden Galoppwechsel nach rechts ganz sauber durch springen zu lassen.

In diesem Sinne: Geht nicht, gibt es nicht, wir finden einen Weg mit Ihnen und Ihrem Pferd.
Ihr Franz-Martin Stankus



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