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08.04.2016

Hengststationen - Geschichte oder Zukunft?

Eigentlich spricht alles dagegen, denn die Bedeckungszahlen haben sich im Laufe der letzten Jahre deutlich reduziert und viele Züchter lassen ihre Stuten auf dem eigenen Hof besamen. Und doch gibt es gute Gründe warum die Besamungsstationen in der deutschen Pferdezucht erhalten bleiben müssen.

Traditionell waren die Besamungsstationen Treffpunkt der Züchter. War eine Stute rossig, zog der Züchter vormittags mit seiner Stute in die nächstgelegene Hengststation. Hier wurde die Stute abprobiert und ggf. vom Tierarzt untersucht und dann per Natursprung gedeckt oder künstlich besamt. Nebenbei war die Hengststation aber auch Züchtertreffpunkt, hier wurde über alles was mit Pferden zu tun hatte geschnackt und züchterische Informationen wurden ausgetauscht.
Mit der Etablierung der künstlichen Besamung wurde es dann auch möglich Frischsperma per Versand direkt zum Züchter zu schicken, und die Stute auf dem eigenen Hof besamen zu lassen. Dies brachte natürlich einige Zeitersparnisse mit sich, den Tierarzt zu sich kommen zu lassen, statt den Weg zur Hengststation auf sich zu nehmen.
Und doch gibt es gute Gründe warum Züchter ihre Stuten auch heute noch zur Besamungsstation bringen. Die Züchterstruktur ändert sich dahingehend, dass die Zucht von Reitpferden auf landwirtschaftlichen Betrieben immer weniger wird. Die Züchter von heute sind in der Regel selber anderweitig berufstätig. Sie sind selten in der Lage mehrere Vormittage im Stall mit ihrer Stute für die erforderlichen Follikelkontrollen und Besamungen zu verbringen, sondern ziehen es vor ihre Stute am Anfang der Rosse auf eine Besamungsstation zu bringen, und am Ende der Rosse oder auch nach erfolgter positiver Trächtigkeitsuntersuchung wieder abzuholen.
Ein weiterer Grund für das Besamen auf Besamungsstationen kann in der Nutzung stark frequentierter Hengste liegen. Auch der erfolgreichste und fruchtbarste Hengst kann nur eine begrenzte Anzahl an täglich verfügbaren Frischspermaportionen produzieren. Um diese begrenzt verfügbaren Samenportionen möglichst sinnvoll für möglichst viele Stuten einsetzen zu können, ist es manchmal erforderlich alle Stuten parallel untersuchen zu können, um die Stuten besamen zu können, die dem Eisprung am Nächsten sind, um damit möglichst viele trächtige Stuten zu bekommen.
In den letzten Jahren ist die Besamung mit TG-(Tiefgefrier)-Sperma von erfolgreichen Sporthengsten immer mehr geworden. Die Besamung mit TG-Sperma erfordert deutlich mehr Follikelkontrollen, um den idealen Besamungszeitpunkt zu ermitteln. Diese sind erforderlich, da in der Regel pro Rosse nur eine TG-Besamungsportion vorhanden ist, die zum Zeitpunkt des Eisprungs der Stute versamt werden muss.
Ein letzter guter Grund für den Züchter, seine Stute auf eine Besamungsstation zu bringen, kann eine erforderliche intensivere Betreuung der Stute sein.
Nicht jede Stute wird unkompliziert in der ersten Rosse tragend. Für den Erfolg einer Besamung sind drei Dinge verantwortlich: 1. Die Fruchtbarkeit der Stute, 2. Die Qualität des Hengstspermas und 3. Die Qualität der tierärztlichen Arbeit, um die Fruchtbarkeit zu optimieren.
Im Züchterstall ist eine intensivere Betreuung der Stuten, mehr als einmal täglich, in der Regel nicht durchführbar. Hier kann die Besamung von sogenannten „Problemstuten“ mit den erforderlichen Begleittherapien nur unzureichend durchgeführt werden.
Eine „Problemstute“ kann z.B. eine Stute sein, die auf die Besamung mit einer übermäßigen Gebärmutterentzündung reagiert und dabei auf Grund eines gestörten Selbstreinigungsmechanismus mit Flüssigkeit in der Gebärmutter auffällt. Diese Flüssigkeit kann ab ungefähr 6 Stunden nach der Besamung vom Tierarzt aus der Gebärmutter ausgespült werden. Begleitend wird eine solche Stute mit Hormonen behandelt, die die Gebärmutter kontrahieren und damit die Selbstreinigung der Stute verbessern. Helfen kann es auch solche Stuten direkt neben einen Hengst zu stellen, da es durch diese Stimulation auch zu einer, wenn auch geringeren, natürlichen Ausschüttung dieses Hormons kommt.
Auf unserer Besamungsstation, die auch Verbandsstation des Holsteiner Verbandes ist, ist ihre Stute in guten Händen. Die Pferde sind in großzügigen Boxen mit täglichem Auslauf untergebracht und wir bieten ihnen eine individuelle, fachgerechte tierärztliche Betreuung.
Dr. Simone Konopka, Tierärztliche Praxis
und Besamungsstation Hoffeld



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