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01.08.2016

Richard Hinrichs

Mit 4 Jahren erlebte er das erste Mal, wie sich eine Piaffe anfühlte, als sein Vater ihn auf den familieneigenen Lippizaner setzte. Dieses weiche Schwingen ließ Richard Hinrichs sein Leben lang nicht mehr los. Es hat ihn für seine Reiterei geprägt. Schon seine Eltern waren Schüler der Spanischen Hofreitschule in Wien, zur Zeit als Alois Podhajsky dort die Leitung hatte. Vater und Sohn übten auch die Levaden. Es dauerte 30 Jahre bis Hinrichs selber ein Pferd soweit ausgebildet hatte, dass ihm das gleiche Gefühl in der Levade gab, wie er es damals als Steppke abgespeichert hatte. Durch seine Eltern hat er vieles als selbstverständlich hingenommen, was sich später als höherer Schwierigkeitsgrad darstellte. Heute gilt Richard Hinrichs in der Szene als der „Barock-Papst“.

Wie kamen Sie zum reiten? Wer hat Sie besonders geprägt?
In der Mittelsstufe war ich ein unkonzentrierter Schüler, so dass ich nicht die besten Zensuren mit nach Hause brachte. Immer, wenn ich zu schlecht wurde, bekam ich Reitverbot. Ich wollte aber unbedingt reiten. Aus dieser Trotzhaltung ist die große Leidenschaft für die Reiterei entstanden. Für jede 2er Note bekam ich eine Reitstunde und für jeden 1er nur zwei Reitstunden, das war mir eindeutig zu wenig. Also ritt ich heimlich.
Ich kann mir vorstellen, wenn man mir das Reiten freigestellt hätte, wäre diese große Leidenschaft nicht entstanden.
Als 14 Jähriger bekam ich Springunterricht bei Werner Stemmwedel, dem letzten Universitätsreitlehrer in Göttingen. Er war reiterlich und didaktisch hervorragend, seine Pferde waren zum Teil bis S ausgbildet. Ich erhielt dadurch einen sehr guten Einstieg. Mit 15 Jahren nahm mein Vater mich mit zu Egon von Neindorff. Bei ihm habe ich häufig in den Ferien geritten. Sein jahrelanger Unterricht hat mich enorm geprägt. Während des Studiums habe ich bei Arthur Kottas in der Hofreitschule in Wien geritten. Später noch bei Erich Voigt, einem namenhaften Trakehner Züchter und Lörke Schüler, der mit meinen Eltern befreundet war.
Seit dem halte ich immer Kontakt zu guten Reitern, weil ich mich immer weiterentwickeln will. Durch diesen Austausch, stelle ich meinen eigenen Standpunkt immer wieder in Frage. Manchmal ist es sehr reizvoll die Sichtweise zu erweitern.

Erinnern Sie sich an Ihr erstes Pferd?
Es war die Lippizanerstute, auf der ich das erste Mal mit 4 Jahren bei meinem Vater an der Hand piaffieren durfte. Dann hatte ich als 14 Jähriger den Vollblüter Rudolfo. Er hatte körperlich seine Grenzen und mein Vater stagnierte bei ihm in der Piaffeausbildung. Ich bekam immer das Verbot vom Vater zu piaffieren, allerdings gab er mir bei Rudolfo freie Hand. Ich durfte mit ihm experimentieren. Bei dem Ergebnis mit diesem Pferd, hat mein Vater das erste Mal vor mir Respekt bekommen. Zu der Zeit hatten wir intensiven Kontakt zu Ludwig Zeiner, Bereiter der Spanischen Hofreitschule. Mein Vater machte mir das Kompliment, dass Rudofo Momente eines „Zeiner-Pferdes“ habe. Das hat mich sehr gefreut. Parallel ritt ich die Holsteiner Stute Hoheit, die ich zu ihren ersten Einerwechseln brachte. Mit ihr nahm es ein jähes Ende, als wieder einmal ein blauer Brief von der Schule kam. Mein Vater hat sie während meiner Konfirmation verkauft. Als ich noch ums Abitur kämpfte, ritt ich die von meinen Eltern selbstgezogene Lippizaner Stute Polda. Ich habe sie fast vollständig selbst ausgebildet. Zur gleichen Zeit trat sie schon im Zirkus Barum von Gerd Simoneit auf.

Was war der bleibendste Eindruck in Ihrer Reiterkarriere?
Das kann ich nicht sagen. Es gibt viele Eindrücke, für die es sich zu Leben lohnt. Diese Eindrücke helfen mir auch über Durststrecken hinweg, die es in der Reiterei immer wieder gibt. Ich hangele mich von Höhepunkt zu Höhepunkt, wie es jeder macht. Und wer am besten hangelt, kommt am weitesten.

Was ist Ihnen das Wichtigste bei einem Pferd? Worauf legen Sie am meisten Wert?Wenn ich ein Pferd für mich suche, dann muss ich mich als erstes verlieben. Ich sehe seine Stärken und seine Möglichkeiten, erst dann seine kleinen Schwächen. Bei meinem Pferd, muss ich als erstes einen Draht zu ihm finden. Maestuso, eine Kladruber-Lippizaner, hatte mich im Stall angeschaut und ich ihn. Es war für mich klar: er ist mein Pferd und blieb bis zum 34. Lebensjahr bei mir. Bei Ausbildungspferden denke ich anders. Da kann ich mir auch suggerieren, dass es mir sympatisch ist, damit die Zusammenarbeit funktioniert. Es muss die emotionale Bindung, wie bei meinen eigenen Pferden, nicht vorhanden sein.

Was fasziniert Sie am meisten bei der Reiterei?
Die in Spannung gehaltene Harmonie. Für mich ist die Reiterei eine Kunstform. Jedes Kunstwerk ist ein Ausdruck davon. Spannung ohne Harmonie führt zur Verspannung. Harmonie ohne Spannung ist langweilig. Außerdem fasziniert mich die Verbindung von Natur und Kultur. Die Reiterei ist ein dynamischer Prozess. Um das zu erreichen, was man möchte muss man ständig wiederholen. Manchmal steht dann mehr die Natur im Vordergrund, gerade bei jüngeren Pferden.
Und ich lerne über die Reiterei immer wieder nette Menschen kennen, mit denen ich mich über unsere Leidenschaft austauschen kann. Auch in der klassisch-barocken Reiterei, wenn wir uns abends im Winter bei Kälte und Regen in die Halle hinausbegeben und wir mit anderen Reitern schöne Bilder realisieren, dann weiß ich, warum ich es mache.

Gibt es für Sie Alternativen zum Pferd, z. B. ein Hobby?
Auf jeden Fall die Literatur. Die Freude am Wort und an schönen Formulierungen helfen mir dabei, immer wieder meinen Schülern das zu vermitteln, was ich ihnen sagen möchte. Ich muss Menschen in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich ansprechen können, damit sie mich auch verstehen. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Deshalb bieten gute literarische Texte oft eine schöne Anregung, gute Formulierungen in der Reiterei zu finden.

Wie machen Sie am liebsten Urlaub?
Meine Frau und ich reisen gerne. Regelmässig besuchen wir kulturelle Ziele in der Welt, die wir bei weitem noch nicht alle bereist haben. Wir haben noch einiges vor. Gerne verbinden wir die Urlaubsorte mit reiterlichen Zielen, wie beispielsweise in den iberischen Länder Spanien und Portugal. Wir waren vor ein paar Jahren auch in China und Indien. Diese Länder haben sich reiterlich enrom entwickelt. Wir haben dort Reiter gesehen, die sehr fein mit ihren Pferden umgehen. In Indien sahen wir auf der Straße, mitten im Getümmel und Lärm, z. B. ein Kutschengespann mit einem sehr braven Hengst. Ich war sehr überrascht dass er so lieb war und fragte den Kutscher, wie alt er sei. 4 Jahre und ein Blick ins Maul bestätigte es. Dieser Mann hatte eine gute Beziehung zu seinem Pferd, das merkte man.

Ihr Lieblingsessen?
Die Lieblingsgerichte sind abhängig von meinem jeweiligem Bauchumfang. Die Pferde müssen mein Gewicht tragen. Tendenziell aber Kartoffelsalat in unterschiedlichen Arten.
Ihr Lieblingslokal?

Ich liebe eine angenehme Atmosphäre. In Hannover gibt es ein Restaurant, das in der ehemaligen Kavallerieschule Hannover untergebracht ist. Und in der Saison die Spargelwirtschaft Heuer in Fuhrberg.

Ihre Lieblingsveranstaltung?
Seit 32 Jahren treten wir mit unseren Pferden in den Königlichen Gärten Herrenhausen in Hannover auf. Ein oder mehrmals im Jahr finden dort Veranstaltungen statt. Mir ist es immer wieder ein Anliegen, die Menschen dort positiv auf die Pferde einzustellen und deshalb haben wir bis zum letzten Jahr Ponies dabei gehabt, auf denen die Kinder reiten konnten. Denn gerade bei Kindern sind die ersten positven Erlebnisse wichtig, wie ich es auch selber als 4 Jähriger erfahren haben. Zwar birgt es eine gewisse Suchtgefahr, aber ich denke da gibt es Schlimmeres, als die Pferde. Deshalb hoffen wir, dass wir im nächsten Jahr wieder Ponies mit nach Herrenhausen nehmen dürfen.



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